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PHPKIT   Verhaltensweise
04.08.2005 von juergen

Verhaltensweisen und deren Bedeutung



Anstarren

Hunde, die sich Auge in Auge gegenüber stehen und den Blick eine ganze Weile nicht voneinander abwenden, tragen einen Machtkampf aus. Es geht im gewaltlosen Ritual darum, festzustellen, wer der Überlegene und wer der Unterlegene ist. Der Überlegene behält den Blick auf die Augen des Rivalen gerichtet. Der Unterlegene wendet den Blick ab und gibt damit seine Unterlegenheit zu. Das Anstarren wird gelegentlich als Ersatz für den Kampf, gelegentlich aber auch als Vorstufe zum Kampf angesehen. Manche Fachleute raten daher eindringlich davon ab, einem fremden Hund lange in die Augen zu schauen, da er das als Herausforderung zum Kräfte messen interpretieren könnte.

Schwanzwedeln

Es gibt zwei Interpretationen für das Schwanzwedeln. Zum einen sagt man, es sei Teil des Begrüßungsrituals. Eine zweite Meinung sieht das Schwanzwedeln als Ausdruck für Unentschlossenheit an. Beide Meinungen schließen einander nicht aus. Als Teil des Begrüßungsrituals kann Schwanzwedeln die Aufgabe haben, den jeweiligen spezifischen Hundeduft zu verbreiten. Das würde bedeuten, daß der Hund sich mit dem Schwanzwedeln sozusagen vorstellt. Nach der zweiten Meinung wedelt der Hund mit dem Schwanz, wenn er zwei eher gegensätzliche Gefühle im selben Moment hat. Als Beleg dafür werden Beobachtungen angeführt, daß Welpen ab einem gewissen Alter mit dem Schwanz wedeln, wenn sie nebeneinanderliegend von der Mutter gesäugt werden. Das Schwanzwedeln wird als Ausdruck dafür gewertet, daß sich die Welpen einerseits bei ihren Geschwistern geborgen fühlen, diese andererseits aber auch als Rivalen erleben. Folgt man dieser Auffassung, dann kann man Schwanzwedeln zur Begrüßung als Ausdruck von Freude einerseits und Spannung andererseits sehen.
Nach landläufiger Auffassung gilt das Schwanzwedeln allerdings eindeutig als Ausdruck der Freude.
Und genau das ist es auch!

Zähne fletschen

Hunde verteidigen ihr Revier. Sie verteidigen Wohnungen, Häuser und ganze Grundstücke gegen Eindringlinge. Sie verteidigen aber auch schon mal ein Auto, wenn man sie dort für eine Weile alleine lässt. Dabei ist es, ob im Auto oder auf einem großen Gelände so, dass ein Hund nicht plötzlich und ganz ohne Ankündigung auf den Eindringling zu stürzt. Es ist üblich, den unerwünschten Besuch vorher zu warnen. Eine Warnung läuft in typischer, ritualisierter Weise ab. Zum Warnverhalten gehört das Zähnefletschen. Der Hund zieht die Lefzen hoch und entblößt seine Zähne. Er macht damit nichts anderes, als seine Waffen zu zeigen - frei übersetzt: Sieh her, was ich hier habe, willst du es dir nicht besser anders überlegen und weggehen? Das Zähnefletschen als Aufforderung an den Eindringling, das Feld zu räumen, kann von anderen Verhaltensweisen unterstützt oder abgelöst werden. Dazu gehört das Bellen. Begleitend können auch in typischer Weise die Ohren gehalten werden, was bei angebotenen Stehohren besonders deutlich wird: Aufgerichtete Ohren symbolisieren eher die Absicht, Stärke zu beweisen und es notfalls auf einen Kampf ankommen zu lassen. Wenn ein Hund warnt, sollte man die Warnung ernst nehmen.
Wer trotz Zähnefletschen meint, den Hund streicheln zu müssen, vielleicht weil er bisher die Erfahrung gemacht hat, dass Hunde ihn ganz gerne mögen, der liegt ganz schnell falsch mit seiner Einschätzung.

Ungerechterweise kommt es immer mal wieder vor, daß in einem solchen Fall der Hund auch noch angebrüllt wird, wenn er zuschnappt - dabei hatte er doch ordnungsgemäß gewarnt und ist nicht ernst genommen worden! Eine ganze Reihe von Drohgebärden sind auch ohne die Lektüre von Fachliteratur schon intuitiv zu verstehen. Ein Hund, der die Zähne fletscht, sieht nun einmal alles andere als einladend aus. Für den Hundefreund empfiehlt es sich aber durchaus, auch die Drohgebärden und die Drohmimik des Hundes einmal genauer kennen zu lernen. Auch für den, der große Angst vor Hunden hat, kann es sehr vorteilhaft sein, sich mit diesem Thema gründlich zu befassen. Die Reaktion der gefürchteten Vierbeiner wird damit nämlich ein ganzes Stück berechenbarer, was vielleicht schon dazu führt, daß man weniger ängstlich ist.

Durch das Gesicht lecken

Unter hygienischen Gesichtspunkten ist es abzulehnen, daß der Hund einem mit der Zunge durch das Gesicht fährt. Das wird schnell klar, wenn man sich überlegt, wo der Hund sonst noch mit seiner Zunge entlang schleckt. Er reinigt sich selbst gründlich mit der Zunge. Er leckt auch am Körper eines anderen Hundes. Er ist zudem nicht zimperlich, wenn es darum geht, etwas interessant Riechendes von der Straße aufzulecken. Dennoch meint der Hund es sehr gut, wenn er einem Menschen durch das Gesicht zu lecken versucht. Er will dem Menschen seine Zuneigung und seine Unterwerfung demonstrieren. Es zeugt also nicht gerade von Feinfühligkeit, den Hund für einen solchen Liebesbeweis strafen zu wollen. Der vernünftige Hundehalter hält seinen allzu liebevollen Hund durch mildes, aber entschlossenes Vorgehen davon ab, seine Zuneigung so zu äußern. Dass der Hund gerade das Gesicht und nicht eine andere Stelle am Körper leckt, lässt sich aus seiner frühen Entwicklung erklären. Ganz banal gesprochen: Liebe geht durch den Magen. Hundemütter erbrechen gelegentlich Nahrung, um sie so - in vorverdautem und deshalb für die Welpen ungefährlicherem Zustand - dem Nachwuchs anzubieten. Die Kleinen können dieses Verhalten fördern, indem sie sich dem Maul der Hundemutter nähern, es stupsen oder lecken. Betteln um Nahrung und Zuneigungsbekundung finden sich in einer Geste vereint.

Hochspringen

Das Hochspringen kann verschiedene Bedeutungen haben. Je nach Situation drückt der Hund etwas Freundliches oder etwas Unfreundliches damit aus. Ein Beispiel für die mehr oder weniger unfreundliche Absicht: Wenn zwei Hunde miteinander raufen, kann es sein, daß sie beide versuchen hochzuspringen. Sie stellen sich auf die Hinterbeine, wobei sie versuchen, mit den Hinterbeinen einen möglichst festen Stand zu gewinnen. Mit dem "Oberkörper", den Vorder-pfoten und der Schnauze wird dann weitergerangelt. Als Teil einer solchen Situation kann das Hochspringen mehr oder weniger ernst gemeint sein - je nachdem, wie ernst die Lage ist.
Es kann sich auch um eine rein spielerische Auseinandersetzung handeln.

Das Hochspringen kann aber auch außerordentlich freundlich gemeint sein. Eine typische Situation hierfür ist in Verbindung mit Hochschauen die Begrüßung des nach Hause kommenden Menschen - der darüber allerdings möglicherweise weniger erfreut ist, zum Beispiel, wenn er seine Sonntagskleidung trägt und der Hund noch vor wenigen Sekunden über den nassen Erdboden im Garten gelaufen ist. Der spontane Wunsch nach Zuneigung kann ein weiterer Grund für das Hochspringen sein. Herrchen oder Frauchen sind vielleicht schon seit ein paar Stunden im Wohnzimmer. Plötzlich kommt der Hund angelaufen und springt an Herrchen oder Frauchen hoch, kratzt vielleicht gleichzeitig noch mit einer Pfote am Bein. In diesem Moment möchte der Hund, daß man sich um ihn kümmert, ihn anspricht und krault. Ein guter Lösungsansatz, wenn man das Hochspringen nicht mag: den Hund mit einem nachdrücklichen, aber mild gesprochenen Befehl darauf hinweisen, daß dieses Verhalten nicht erwünscht ist und gleichzeitig einen Schritt zur Seite treten. Der Hund springt ins Leere.
Beim Begrüßungs-Hochspringen des Hundes muss man konsequent sein - wie bei allen anderen Erziehungsmaßnahmen auch - Entweder man erlaubt es grundsätzlich, oder man erlaubt es grundsätzlich.

Auf den Rücken werfen

Hunde können es ganz offen zeigen, wenn sie sich unterlegen fühlen und einem anderen Hund unterwerfen. Der Ausdruck "unterwerfen" ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Ein Hund, der weitere Auseinandersetzungen vermeiden will, macht sich klein und zeigt sich ungeschützt. Im Extremfall, der nicht selten vorkommt, legt der Hund sich auf den Rücken, hebt die Pfoten ein wenig an und bietet dem vierbeinigen Gegner die empfindliche Kehle und den empfindlichen Bauch ungeschützt dar. Beim Gegner bewirkt dieses Verhalten in der Regel, dass er sich als Sieger fühlt und von weiteren aggressiven Handlungen absieht. Durch Unterwerfungsgesten werden schlimmere Auseinandersetzungen vermieden. Die Gesten erfüllen damit eine ausgesprochen wichtige Funktion.
Auf den Rücken werfen ist nicht die einzige Ausdrucksmöglichkeit in dieser Richtung. Unterordnung können Hunde unter anderem auch zeigen, indem sie dem Blick ausweichen, den Kopf hängen lassen, Ohren anlegen oder den Kopf einziehen Dabei sollten solche einzelnen Gesten immer im Situationszusammenhang gesehen werden. Nicht jede hat in jeder Situation dieselbe Bedeutung. Unterwerfung zeigen, das ist in der Konfrontation von Hund zu Hund ganz klar ein demütiges Friedensangebot. Gegenüber dem Menschen kann diese Gebärde durchaus mit dem Wunsch nach Zärtlichkeit verknüpft sein. Ein Hund, der sich vor einem auf den Rücken wirft, sagt damit nicht nur, daß er selbst nichts Böses tun will. Er will vielmehr auch, dass man ihm etwas Gutes tut. Und wie zeigt man, daß man den Hund verstanden hat? Man tätschelt und krault Brustkorb und Bauch.





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