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PHPKIT   Anschaffung
02.08.2005 von juergen

Gut Ding will Weile haben


Bevor ein vierbeiniges Familienmitglied einzieht, muss vieles bedacht werden.

Wer ein neues Auto kauft, bereitet sich gründlich vor: Prospekte werden gewälzt, Freunde gefragt, Fahrberichte studiert, das Internet zu Rate gezogen . . . Oft braucht es Monate, bis die Entscheidung fällt. Gut Ding will Weile haben, und der Wagen soll ja viele Jahre halten. Ganz anders läuft die Sache in der Regel bei der Anschaffung eines Hundes. Und das, obwohl es sich dabei nicht um eine seelenlose Maschine, sondern um ein Lebewesen handelt, das die Familie zwölf, 15 Jahre lang begleiten soll: Die Kinder quengeln, die Eltern werden schwach - und dann wird halt ein Hündchen gekauft.

Dass das Hundebaby viel Zeit beansprucht, dass es viele Male am Tag ausgeführt werden muss, dass es an den Möbeln knabbert, dass es Impfungen braucht . . . daran hat niemand gedacht. Und irgendwie war auch allen nicht klar, dass das Kerlchen vor Einsamkeit bellt, während die Eltern auf der Arbeit und die Kinder in der Schule sind.

Zeitungsanzeigen mit dem Text "Kinderlieber Hund, sechs Monate alt, umständehalber abzugeben" zeugen von diesen missglückten Anschaffungen. Meldet sich niemand darauf, landet der Hund bestenfalls im Tierheim, wo man sich Mühe gibt, ihn an Leute zu vermitteln, die seine Ansprüche erfüllen können. Im schlechtesten Fall wird er einfach verschenkt. Solche Tiere landen meist auch irgendwann im Tierheim. Dann aber nicht mehr als unkomplizierte Junghunde, sondern als durch falsche (oder unterbliebene) Erziehung oder häufigen Besitzerwechsel nur noch schwer vermittelbare Tiere. Wer einen Hund aufnehmen will, sollte sich diese Fragen ehrlich beantworten:

€ Ist ein Familienmitglied allergisch gegen Hundehaare?
Merke: Viele Hunde werden abgegeben, weil ihre Besitzer mit Atembeschwerden auf sie reagieren. Bevor ein Hund ins Haus kommt, sollte also auf jeden Fall ein Allergietest gemacht werden.

€ Ist der Vermieter mit der Tierhaltung einverstanden?
Merke: Auch wenn im Mietvertrag keine Regelungen über die Tierhaltung getroffen sind, sollte man vor der Anschaffung eines Hundes den Vermieter informieren. Das gilt auch, wenn eine andere Mietpartei bereits einen Hund hält.

€ Sind die erwachsenen Familienmitglieder bereit, viel Zeit für den Hund zu opfern, mit ihm eine Hundeschule zu besuchen, ihn bei jedem Wetter spazieren zu führen?
Merke: Kindern und Jugendlichen darf man nicht die volle Verantwortung für ein Tier übertragen. Die Interessen junger Menschen ändern sich. War heute noch der Wunsch nach einem Hund übermächtig, kann es morgen schon der nach einem Computer sein. Kein Kind steht um sechs Uhr auf, weil der Hund raus muss, kein Jugendlicher lässt eine Party ausfallen, weil Bello nicht allein sein mag.

€ Ist (mindestens!) in den ersten sechs Lebensmonaten des Hundes rund um die Uhr jemand zu Hause, der sich um ihn kümmert?
Merke: Ein Welpe kommt nicht stubenrein auf die Welt. Man kann ihm recht schnell beibringen, sich bemerkbar zu machen, wenn er raus muss. Ist aber niemand da, der ihn nach draußen bringt, macht er seine Pfütze ins Haus. Junge Hunde wollen auch nicht allein sein. Man kann sie lehren, eine Weile ohne menschliche Gesellschaft zu verbringen. Aber kein Welpe bleibt zwei Stunden allein, ohne die Einrichtung zu zerlegen. Und viele Hunde lernen das Alleinsein nie.

€ Ist immer jemand da, der das "Spiel" zwischen Kind und Hund beobachtet?
Merke: Kinder und Hunde haben unterschiedliche Arten, zu "spielen". Ein Junghund setzt dabei auch seine Zähne ein. Das Kind weiß nicht, wann bei einem Tier die Schmerzgrenze erreicht ist. Bis Kind und Hund sich wirklich "verstehen", müssen Erwachsene regulierend eingreifen.

€ Ist die Hundebetreuung während des Urlaubs gesichert?
Merke: Hunde trauern, wenn sie nicht bei ihren Menschen sind. Es muss also ein verantwortungsbewusster Betreuer her, den das Tier mag. Findet sich niemand, muss frühzeitig ein Platz in einer Hundepension reserviert werden.

€ Kann das Haushaltsbudget einen Hund verkraften?
Merke: Hunde kosten auch nach ihrer Anschaffung noch Geld. Tierarzt und Hundehotels sind teuer.

Hat man alle diese Fragen mit "Ja" beantwortet, kommt das nächste Problem: Welcher Hund soll es sein?



€ VON GISELA SCHMIDT


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